Anbau Ade

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Eine fixe Idee findet ein Ende. Der Anbau – Bauen im Bestand.

Wir hatten eigentlich einen recht konkreten Plan, wie es hier mit diesem Haus nach unserem Einzug weiter gehen sollte. Und wir waren uns durchaus bewusst, dass die kommenden Monate nicht so luxuriös werden, wie die Zeit zuvor in unserer Neubauwohnung in Mainz. Zimmer für Zimmer wollten wir uns vornehmen und renovieren. Dann doch lieber Stockwerk für Stockwerk. Erst das OG und dann das EG. Oder doch eher zuerst unten?

Und dann kam jemand um die Ecke und erklärte uns, dass das Schlauste ja schon wäre, wenn wir direkt anbauen würden.

Toll.

Nicht, das wir nicht schon über einen Anbau nachgedacht hätten. Aber ein Anbau würde bedeuten, dass wir uns deutlich mehr verschulden, als wir das zu Beginn wollten.

Sind wir mal ehrlich: nur in den seltensten Fällen kann es sich jemand leisten, ein Haus zu kaufen oder zu bauen und dabei keine Schulden zu machen.

Denke ich zumindest. Also ich kenne niemanden.

Und wir hatten für uns geplant, ein günstiges Haus zu kaufen und es zu renovieren. Unsere angedachten Renovierungskosten lagen bei ungefähr 100.000,- Euro. Neubauen kam für uns nicht in Frage. Denn der Teil von Kerpen, in welchen wir umziehen wollten, hat einen aktuellen Grundstückspreis von durchschnittlich 220,- Euro / qm. (Ich sah Preise bis zu 296,- Euro / qm, im Januar 2019) Und eigentlich gibt es auch keine freien Grundstücke mehr in diesem Ortsteil. Sprich, rein hypothetisch: hätten wir ein Grundstück gefunden, genau dort, und dann noch ein neues Haus darauf gebaut, lägen wir mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bei mindestens 500.000,- Euro. Und darauf hatten wir schlicht keinen Bock.

Gut, dass dann halt mal eben dieses alte Haus zum Verkauf stand.

Aber Butter bei die Fische; wir hätten auf jeden Fall einen Gutachter mit nehmen sollen. Das muss man sich echt hinter die Ohren schreiben. Möchtet ihr ein altes Haus kaufen, vor allem wenn es sich dabei noch um ein Nachkriegsbau handelt, nehmt einen gottverdammten Gutachter mit.

Nu´ja. Zurück zum Thema. Die Idee des Anbauens wurde in den Raum geworfen. Von Jemandem der sich „damit aus kennt.“ Man sollte darüber nachdenken. Das ganze lieber gleich in einem Wisch erledigen. Einen jungen Architekten finden und ab geht’s. Manche bestätigen dann: Ja, das Geld ist doch am Ende nur Geld. Es geht doch schließlich auch um Lebensqualität. Viel Platz ist doch wirklich eine tolle Sache.

Was eine Vorstellung. Wir begannen im Kopf zu planen und zu träumen. Was man alles machen könnte. Mit Dachterrasse und großen Glasfronten. Ja, der Kellerausgang in den Garten, der fällt dann weg, aber vielleicht findet ein Architekt da eine Lösung. Und dann haben wir endlich große Bäder und ein tolles Büro.

Erst mal zu dem Thema „Junge Architekten“. Ich versteh den Begriff noch immer nicht und ihr dürft mich da gerne aufklären. Denn warum ein junger Architekt? Was ist falsch an einem alten? Verdienen die weniger, die Jungen? Aber es gibt doch eine Verordnung, nach welcher Architekten abrechnen müssen, oder etwa nicht? Oder hat ein junger Architekt die moderneren Vorschläge? Das liegt wohl eher an der Phantasie und Kreativität als am Alter. Oder wie? Nu´ja. Habs noch nicht verstanden.

Wir fanden auf jeden Fall keinen knackig jungen Architekten sondern drei ganz normale. Mit denen wir auch Termine aus machten.

Bis zu den Terminen mit den Architekten waren wir jeden Tag am nachdenken.

Wie so ein Anbau aussehen kann. Was es für uns zu beachten gibt. Wo soll das Bad hin? Da wo es jetzt ist oder doch in einen anderen Raum? Wollen wir ein- oder zweistöckig anbauen. Wie wäre es mit eineinhalb. Also eine Seite zweistöckig mit einem Bad oben und auf der anderen Seite nur ein Stock und eine Terrasse. Mit viel Glas? Kann man dann nicht zu krass ins Bad schauen? Kann man doch sicher auch was davor machen? Dann kann man ja auch weniger Glas nehmen. Und das

Büro? Bekommt das dann den Eingang zum unteren Bad? Wie auch immer. Das ist richtig teuer. Oder? Was kostet denn so der Quadratmeter bei einem Anbau? Was 2300,- Euro? Das ist echt krass. Ein Keller kostet noch mehr. Keller brauchen wir nicht. Und die Zisterne? Bleibt die? Ach, die muss weg. Das ist aber schon irgendwie schade. War schon cool, so mit Regenwasser das Klo spülen und nicht mit Trinkwasser. Eh, aber diese Kosten. Ja, wir können uns das schon leisten, aber…

So ging das Tage lang. Und ich bin mir sicher, dass es etliche Leute gibt, denen noch viel mehr bei ihrem Haus durch den Kopf ging und geht. Da gibt es so viele Geschichten. Schreibt die mir ruhig. Ich finde sowas total interessant.

Anfang des Jahres kam dann der erste Architekt. Schnitzler. Ein Vater-Sohn-Gespann. Sehr nett. Entspannt. Humorvoll.

Sie blieben 1,5 Stunden und berechneten nichts dafür. Denn wir mussten auch lernen, dass so ein Beratungstermin nicht immer kostenlos angeboten wird. Gelohnt hat es sich in jedem Fall. Es wurden auf unsere Seite etliche Wissenslücken geschlossen und die beiden hatten außerdem wirklich gute Ideen.

Aber der Knoten im Gehirn, vom vielen Nachdenken, wurde nicht wirklich kleiner. Wir waren mürbe. Und dann immer wieder auch die Fragen: Brauchen wir das? Reicht uns denn nicht unser schönes Haus mit 147qm. Ja, die Bäder sind echt klein, aber die kann man bestimmt auch schön machen…..und von vorne.

Noch am gleichen Tag besuchten uns Freunde aus Mainz und wir zeigten ihnen unser Haus. Wie so üblich waren wir viel am mosern und motzen. Was alles gemacht werden muss und was alles blöd ist. Doch auch das kleine Bad schreckte unsere Freunde nicht ab. Sie meinte einfach: „Das geht doch. Ist zwar klein, aber da kann man was draus machen. Ich finde das nun wirklich nicht schlimm.“ Auch ihr Verlobter war nicht zu verschrecken.

Und vielleicht haben mein Mann und ich uns getrennt voneinander das gleiche wieder gefragt: Brauchen wir einen Anbau? Etwas was uns so stark verschulden wird und nicht nötig ist. Denn unser Haus ist groß genug und wir haben einen tollen Garten, der nachher deutlich kleiner sein wird. Warum genau wollten wir den Anbau?

Irgendwann abends kam mein Mann zu mir, setzte sich zu mir und dem schlafenden Kind aufs Bett und sagte leise: „Brina, ich hab keine Lust auf diesen Anbau.“

Vor allem das Geld, der Plan sich einfach nicht zu krass zu verschulden, wirkten sich schwer auf diese Entscheidung aus. Es war immer unser größter Wunsch in dieser ganzen Haus-kaufen-Haus-bauen-Geschichte: Wir möchten einfach keine halbe Millionen Euro schulden haben. Lieber ein kleines, schnuckeliges Haus. Mit Seele und Flair. Dafür richtig gut Innen renoviert. Und wer den ersten Artikel zu dem Thema „Projekt Haus“ gelesen hat, der weiß, dass es auch richtig viel zu tun gibt.

Aber wenn das alles erledigt ist, hätten wir ein tolles altes Haus, mit neuen Leitungen und neuen Rohren, wunderschönem aber kleinem Bad, tollem Boden, guter Heizung und einem mega Garten.

Die Entscheidung den Anbau nicht durch zu ziehen und uns damit viel Stress und Arbeit zu ersparen, obwohl wir auf Wohnraum und Luxus verzichten müssen, hat uns unglaublich gut getan.

Wir sind ruhiger und entspannter und der Knoten im Kopf hat sich gelöst.

Lieber fahren wir dieses Jahr wieder mit dem Bus weg. Scheiss auf den Anbau. 😉

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