Eh, dann schreib halt Mädel

Ich würde so gerne wieder mehr schreiben. Nicht das ich jemals richtig viel geschrieben hätte. Aber ich schreibe wirklich gerne. Schreiben ist in aller Regel Entspannung, Balsam für die Seele. Ich persönlich muss allerdings dabei auch nachdenken. Ich war noch nie ein Verbal-Akrobat, niemand der sich besonders gewählt ausdrücken kann. Die Schwester meines Mannes hakt beim Frühstück mit den Schwiegereltern schon jedes mal eine imaginäre Liste ab, wenn ich es mal wieder verbal verkackt habe. Da, „verkackt“, das wird dann hier gleich wieder Rot unterstrichen von WordPress. “DAS WORT GIBT ES NICHT.“

Es mag Menschen geben, die suchen sich ein Thema heraus und dann, zack, gehen die Finger auf der Tastatur ab, wie bei Schmitz die Katze. Ich kann das wenn ich erzähle. Nenn mir ein Thema und ich quatsch dich zu bis die Ohren bluten. Aber eben nicht mit der richtigen Rechtschreibung. Wenn ich in der Grammatik mal wieder daneben lange, dann steht es wenigstens nicht Schwarz auf Weiß. Es gibt keinen länger existierenden Beweis, welcher mich blamieren könnte. Außer vielleicht der rote Kopf eines Zuhörers, der sich gerade mal wieder fremd schämt, weil ich politisch inkorrekt gesagt habe das dann „Polen offen ist“. Das sagt man nicht mehr. Es ist aber gar nicht so einfach den ein oder anderen Verbal-Fäkal wieder aus dem Mund zu bekommen.

Lange Zeit ging es mir so mit dem Wort „einzigstes“. Das gibt es so eigentlich nicht. Auch wenn WordPress mir das Wort hier nicht Rot markiert. Es gibt IMMER, in jedem Fall, nur das Wort „einzige“! Das ist nicht der einzige Fehler, welchen ich in meinem Dorfjargon ausbessern musste (ich hätte nicht gedacht, dass es das Wort „Dorfjargon“ so gibt. Zumindest wird es mir nicht Rot markiert).

Für einen ganz großen Lacher, sorgte damals das Wort „Desinfikationsmittel“ bei einer Freundin. Ja, zu recht, hier bei mir, in Rot dargestellt. Das Wort gibt es so natürlich nicht. Ich hatte es von meinem Eltern übernommen und stets so ausgedrückt, ohne das mich je jemand korrigiert hätte. Wer weiß wie oft sich jemand dachte „Oh fuck, wie peinlich.“ Nur genau wie bei einem Popel am Nasenloch, waren sie alle schön still und haben nichts gesagt. Meine Freundin schon. Sie war auch nicht der Typ Mensch, der bei einem Popel schwieg. Und genau wie bei solch einem grünen Unhold, wurde auch über meinem Verbal-Rotz, erst einmal herzlich gelacht. Um mir dann, nach mindestens 15 Minuten Gelächter, total übertrieben, zu erklären, dass es sich hierbei eher um „Desinfektionsmittel“ handeln würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich ungefähr 25. Fein. Mindestens 20 Jahre dummes Zeug gelabert. Aber das wird wohl auch die nächsten Jahre noch so sein. Nur, weil ich ein Wort jetzt richtig aussprechen kann, hört das ja mit dem dummen Zeug nicht auf.

Des weiteres sehr beliebt: „Käuft“

Wann sagt man das eigentlich? Er kaufte. Sie kaufte. Ich habe gekauft. Kaufst du das noch? Wir haben das gekauft. Ich hätte es ja gerne gekauft…

Keine Ahnung. Aber ich habe dieses Wort schon sehr oft gehört. Bei meiner Mutter! Und meine arme Mutter muss sich dann jedes Mal die Korrektur von mir anhören. Und das wo ich doch selbst kein Held der deutschen Sprache bin.

In jungen Jahren machte ich einen Test. Ich meine, es war bei unserem allseits beliebten Arbeitsamt. Es ging darum heraus zu finden, welche Bereichen einem Schüler liegen, um ihm damit eine Orientierung für den Berufsweg zu ermöglichen. Es stellte sich heraus das ich eine, angebliche, große Begabung im Bereich Deutsch habe. Also dem Schulfach und alles was man somit darunter versteht. Rechtschreibung, Grammatik, Schreiben etc. Bis dahin hatte ich hauptsächlich mittelmäßige bis schlechte Noten im Deutschunterricht vorweisen können. In Aufsätzen hieß es häufig ich hätte das Thema verfehlt, obwohl ich fleißig 6 Seiten vollgeschrieben hatte, statt der gewünschten maximal 3. Und im Diktat war ich auch nicht gerade eine Leuchte. Wo war also die Begabung.

Erst Jahre später, in meinem Beruf als Content Manager, zeigte sich, dass das Arbeitsamt vielleicht doch nicht so falsch lag.

Aber zurück zum Thema.

Eigentlich möchte ich mehr schreiben. Weil es mir gut tut. Nicht weil ich der Meinung bin, ich könnte die Internet User mit meinen Ergüssen der deutschen Sprache begeistern. Sicherlich freut es mich wenn meine Blogbeiträge gelesen werden. (Was ist jetzt mit dem Wort „Blogbeiträge“ wieder falsch?)

Also, ich möchte mehr schreiben und meine innere Stimmt meinte „Eh, dann schreib halt Mädel.“ Das habe ich somit getan und nun sagt die liebliche Stimme im Babyphone, dass ich das mal schleunigst lassen sollte und zusehen soll, dass ich mit meiner Milchbar wieder angerückt komme. (In Gedanken sehe ich meine Schwägerin am Tisch sitzen und einen Haken in die Luft zeichnen.)

Vielleicht ist es mit dem Schreiben, wie mit vielen anderen Dingen auch: Du willst es? Ey, dann mach halt und heul´hier nicht rum. Du hast keine Zeit? Dann mach es doch wie wir zuhause: Wir haben aufgehört und abends 3 Stunden lang Serien auf Netflix rein zu ziehen. In drei Stunden, kann man eine Menge Dinge tun, die das Gehirn deutlich mehr entspannen. Und jetzt, mach halt.