Fotograf oder eher nur Bildkünstler?

Mir geistert Gedankenshitt in der Birne herum, den ich los werden muss.Also, wer einen sachlich recherchierten Artikel erwartet, ist hier falsch und sollte aufhören zu lesen.

Es geht um den schwierigen Stand der heutigen Berufsfotografen.

Nein, ich bin kein Berufsfotograf, ich habe lediglich ein paar wenige Freunde die als Fotografen tatsächlich ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ja, ich gehöre zu den Menschen die ihre Fotografien kostenlos im Netz zur Verfügung stellen.

Hat ein Fotograf einen Auftrag weniger, weil ich meine Bilder kostenlos ins Netz stelle?

Hat ein Fotograf einen Auftrag weniger, weil ich meine Bilder kostenlos ins Netz stelle? Oder habe ich als Privatperson nun einem Fotografen einen Auftrag vorenthalten, weil ich mir selbst ein Bild oder auch mehrere aus dem Internet geladen habe? Nein, das finde ich nicht. Ich stelle meine Fotografien kostenlos anderen Menschen zur freien Verfügung, die es sich nicht leisten können, oder wollen, Geld für einen Fotografen, einen Berufsfotografen, aus zu geben. Heißt, die meisten Leute die sich diese kostenlosen Bilder aneignen, wären, so meine Meinung,  sowieso nie zu einem Fotografen gegangen, weil sie nicht das nötige Kleingeld haben.

Als ich meinen ersten Blog aufsetzte, tatsächlich noch in reinem HTML, fehlten mir Bilder, einfach nur um meine Seite gut aussehen zu lassen, Lücken zu füllen. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich damals wirklich nicht, woher ich solche Fotos bekommen soll. Wie viele andere Leute auch, war ich der Annahme, das man Fotos die nicht total beschissen aussehen, nur von einem Fotografen bekommt. Ich hatte , -und habe-, nicht das Geld, mehrere Hundert Euros aus zu geben, nur um ein paar Bilder für meinen privaten Blog zu bekommen. Heute verhält es sich noch immer ähnlich. Setzte ich einen privaten Blog auf, fehlen mir noch immer Bilder. Inzwischen nehme ich allerdings meistens meine eigenen.
Fehlt mir dennoch mal ein Bild, suche ich danach auf Unsplash.com und lade mir kostenlos eines aus dem Internet.

Schöne Bilder und wirklich gute Bilder, dass ist der Unterschied den ein guter Fotograf ausmachen kann.

Habe ich als Privatperson nun einem Fotografen einen Auftrag vorenthalten, weil ich mir ein Bild oder auch mehrere aus dem Internet geladen habe? Oder hätte ich für meinen Fun-Blog auf einen Fotografen sparen sollen? Ich persönlich freue mich über die Entwicklung von Unsplash. Ich finde es gut, dass Menschen mit wenigen Mitteln, der Zugang zu schönen Bilder nicht verwehrt wird. Und ich schreibe ganz bewusst „schöne“ Bilder und nicht gute Fotografie. Denn hier kommt die Gegenseite. Schöne Bilder und wirklich gute Bilder, dass ist der Unterschied den ein Fotograf, ausmachen kann. Mit seinem Know-How und seiner Erfahrung macht er eben nicht nur schöne Schnappschüsse, sonder bewusste gute Fotos. Jeder der eine bestimmte, fixe Vorstellung in seinem Kopf hat, wie ein Bild auszusehen hat, kann sich an einen Fotografen wenden.
Und das finde ich auch gut so. Wenn ich etwas ganz bestimmtes möchte, die graue Bulldogge auf dem Schreibtisch aus Holz, bei strahlendem Sonnenschein, dann muss ich auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Oder möchte ich eine Fotografie die es wirklich kein weiteres Mal im Internet gibt, dann geht ich zu einem Fotografen und bezahle. Möchte ich ein Bild von mir und meinem Liebsten mit der Kleinen im Arm, finde ich das garantiert nicht kostenlos bei Unsplash.
Möchte ich das geile Bild von mir und meinem Liebsten und dem super tollen Sonnenuntergang und das ganze aber für nur 100,00€, inklusive Nachbearbeitung und Reisekosten des Fotografen, verdiene ich eine Schelle an den Hinterkopf.

Leider lieferte die Dame ein so schlechtes Ergebnis für ihre rund 3000,00€, das selbst ein unerfahrenes Auge Schmerzen beim Anblick empfand.

Wie sieht es beim Thema kostenlose Bilder und Konzerne aus?
Ich würde ja behaupten, dass ein Konzern oder eine Firma, sich nicht mit billiger Stockfotografie abspeisen lässt.
Für den Webauftritt eines früheren Arbeitgebers wurde damals eine Fotografin engagiert. Man wollte keine Stockfotografie vom Band, sondern richtig gute Fotos.
Leider lieferte die Dame ein so schlechtes Ergebnis für ihre rund 3000,00€, das selbst ein unerfahrenes Auge Schmerzen beim Anblick empfand. Was wiederum dazu führte, dass ich anbot mich im Bilder schießen zu versuchen. Ganz ehrlich, schlechter machen konnte ich es einfach nicht und meinen sonst eher tristen Arbeitsalltag mit fotografieren zu verbringen, kam mir wirklich gelegen.
Eine ganze Zeit lang wurden die Bilder tatsächlich auch benutzt, inzwischen ist die Webseite überarbeitet und meine Bilder draußen.
Und auch das ist auch gut so!
Wenn ein guter Fotograf solch einen Auftrag in die Hand nimmt, ist das Ergebnis um Welten schöner und vor allem besser. Es sieht deutlich professioneller aus.
Was aber nun, wenn sich ein Unternehmen, dass sich einen Berufsfotografen leisten kann, auf kostenlose Bilder von Unsplash zurück greift?
Und das ganze dann auch noch ohne Nennung des Fotografen (oder nennen wir es „Bildkünstler“. Eine Nennung ist bei Unsplash keine Pflicht, es ist lediglich eine höfliche Geste.). Vor kurzem bekam ich einen Artikel des Ebay-Kleinanzeigen Blog zugeschickt, in welchem ein Bild von mir verwendet wurde. An für sich ein Grund sich zu freuen. Ich finde es toll wenn anderen Menschen meine Bilder gefallen. Schade das ein Unternehmen mit genug Geld, kein Geld übrig hat um eine gute Fotografie zu bezahlen. Weniger noch, es nennt noch nicht mal den Ersteller des Bildes. Der Blog verwendet, -soweit ich das zu erkennen vermag, denn viele Bilder kenne ich schon gut-, sehr häufig kostenlose Bilder von Unsplash.
Wenn ich nun meine Bilder kostenlos zur Verfügung stelle und alle Rechte abgebe, kann ich auch nicht mehr bestimmen, wer es für welchen Zweck nutzt. Vielleicht fördere ich damit dann letzten Endes auch, das ein guter Berufsfotograf einen Auftrag nicht erhalten hat, weil es genug kostenlose Bilder gibt.
Andererseits, ist dieser Blog wahrscheinlich so wichtig wie mein eigener persönlicher Blog und für so einen Blog, gibt man in aller Regel sowieso kein Geld aus. (Wenig Trost, ich weiß)
Wie sieht es nun aus mit Leuten die der Meinung sind, dass ne´dicke Cam mehr bringt als Talent und Ausbildung?
Ich kannte mal jemanden flüchtig, der wirklich der Meinung war, er kauft sich jetzt eine teure Kamera und macht sich dann als Fotograf selbstständig. Damit lässt sich gut Geld verdienen. Ich glaube bei ihm hat es auch ganz gut funktioniert.
Sind solche Menschen, mit oder ohne Talent aber auf jeden Fall mit fetter Ausrüstung, ein Problem, die den Stand eines heutigen Berufsfotografen erschweren? Kann ich mir gut vorstellen.
Es ist zwar eine doofe Aussage, aber wenn jemand ein Gespür dafür hat, Dinge, Menschen, Objekte, Situationen ein zu fangen und dann Kohle in die Hand nimmt, sich selbständig macht und damit auch gut fährt, hat er es dann nicht auch irgendwie verdient damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Würde man das nicht so sehen, wäre es nicht einfach nur Missgunst? Wenn jemand wirklich kein Talent hat und versucht mit einer dicken Kamera die Kohle zu machen, wünsche ich ihm jetzt nicht explizit das er auf die Nase fällt, aber bitte einen anderen Beruf wählt, um den restlichen Fofografen nicht im Weg zu stehen.
Und: gibt es nicht auch gelernte Fotografen die so richtig schlecht sind und absolut kein Auge für ein gutes Bild haben?
Und: regelt sich der Markt dann nicht dadurch von selbst, dass gute Fotografen bleiben und schlechte verlieren?
Oder: bekommt am Ende der Fotograf oder Bildkünstler die meisten Aufträge, der am lautesten geschrien hat? Weil er ein „cooles“ Facebook-, Twitter-, Instagram-Profil hat? Dann würden am Ende ja nicht die schlechten Fotografen/Bildkünstler auf der Strecke bleiben, sondern die mit der wenigsten Social-Media Affinität.

Am Ende ist man als Fotograf heut zu Tage nicht einer wachsenden Konkurrenz ausgesetzt, sondern einer sich veränderten Konkurrenz. Verändert man sich nicht schnell genug mit, bleibt man auf der Strecke, wie das Atelier für Passbilder bei uns im Dorf.
Ich wünsche auf jedem Fall jedem Berufsfotografen, ob er seinen Job nun gelernt hat oder ein Quereinsteiger ist, das er mit seinem Schaffen gutes Geld verdient.

Ich für meinen Teil verdiene keine Kohle damit. Aber ganz ehrlich, ich bin auch lange nicht so gut wie die Fotografen die ich kenne. Es wäre auch nicht gerechtfertigt, wenn ich damit Geld verdiene. Aber ich habe Freude am Fotografieren. Es wäre schon schön, wenn diese Freude die Menschen verbindet und nicht das Geld sie entzweit. Aber wir wissen ja: Das Leben is´kein Ponyhof.

 

Ps. Das Titelbild ist mein eigenes, nicht von Unsplash. 😉